Copyright © 2014 by "nostrada"   ·   All Rights reserved  ·   http://www.nostrada.de
Blick zum Lilienstein um 1810  (Christian Gottlob Hammer) Stadtmuseum Pirna
Ortsgeschichte
Weblinks
Hering
Christian Hering ? der Prossener Mann



Christian Hering war wohl der berühmteste Prossener.

Er galt als der „Prophet von Prossen" und war sogar am kurfürstlichen Hof in Dresden bekannt.

Man nannte ihn den „Prossener Mann".

Noch zu seinen Lebzeiten (1772) erschien ein Buch über ihn mit dem Titel „Umständliche
Nachricht von dem sogenannten Proßner Manne, Christian Heerings, eines Elb-Fischers und
Innwohners zu Proßen" (siehe nebenstehendes Bild).

Das Buch wurde geschrieben vom damaligen Pfarrer zu Königstein (Prossen gehörte damals zum
Pfarrbezirk Königstein), von Magister Johann Gabriel Süsse.

Ihm ist es zu verdanken, dass wir heute noch, nach etwa 250 Jahren, darüber nachlesen können,
wer Hering war und was er damals vorhergesagt haben soll.

Christian Hering wurde im September 1699 in Postelwitz als Sohn eines Fischers geboren.

Er selbst war auch Fischer auf der Elbe, zunächst in Postelwitz und später in Prossen.

Er heiratete eine Tochter des Prossener Fischers Schmidt und zog nach dem Tode seines
Schwiegervaters 1746 in dessen Haus nach Prossen.

Hier kam er mit dem Pfarrer Süsse zusammen, dessen Beichtkind er geworden war.

Süsse sagt von Hering, „dass er jederzeit einen stillen, sittsamen und frommen Wandel geführt,
den Seinen (er hatte eine Frau, einen Sohn und zwei Töchter) ein gutes Beispiel gegeben, sie als
braver Hausvater zu allem Guten angeleitet, sich beim öffentlichen Gottesdienste als einen
fleissigen Kirchgänger und exemplarisch andächtigen und aufmerksamen Zuhörer der Predigt ...
bewiesen".
... doch habe er es in der Schule nicht weiter gebracht, als dass er fertig lesen und seinen Namen
schreiben könne, da er von früh an genötigt gewesen sei, dem Vater bei der Elbfischerei
beizustehen, weil derselbe eines Leibesschadens halber stets jemanden bei sich hätte haben
müssen.
Aus gleichem Grunde habe er "von weltlicher oder politischer Erkenntnis" gar wenig besessen, da
er eben "Tag und Nacht" mit dem Vater auf dem Wasser verbracht. Er habe keinerlei Gesellschaft
geliebt, weder Geschichtsbücher noch Zeitungen gelesen, noch Umgang mit gebildeten Personen
pflegen können."

Hering soll von Jugend auf prophetische Erscheinungen gehabt haben, die mit steigenden Jahren
immer öfter gekommen und deutlicher geworden seien.

„So begegnete ihm im Jahr 1744 die Erscheinung, als er sich noch bey Tage bey Postelwitz zu
Lande, am Ufer des Elbstroms, auf dem Wege nach Hause zu gehen befand, daß er eine Menge
Menschen und den Herrn Jesum sahe, wie er seine Hand über die wenige ihn begleitende
Nachfolger aufhub, worbey Hering das Lied, weil die mehresten Menschen den breiten Weg zur
Verdammnis giengen, von einem derer Nachfolger Jesu anstimmen hörete: Mache dich mein Geist
bereit, Wache, fleh und bete, daß dich nicht die böse Zeit Unverhofft betrete."

Diese Erscheinung soll ihn so bewegt haben, dass er sie noch lange nachher „mit innigster
Gemüthsbewegung und vergossener Thränen erzelet hat."

Ihm wurde auch "vom Herrn gezeigt" ( damit bezeichnet er seine prophetischen Erscheinungen):
„daß ein Held mit seinem feindlichen Heer würde nach Sachsen kommen, und das Schwerdt bis an
den Heft ins Blut tauchen. Und dieser Held würde hernach zu Dresden wie in einem offenen
Garten einziehen, aber bald darauf wiederum zum Obern Thor hinaus ziehen."

Diese Offenbarung wollte er unbedingt am Dresdener Hofe melden. Dort wunderte man sich
zunächst über ihn, hielt ihn einige Wochen fest und schrieb schließlich seine Meldung in einem
Bericht nieder.

Als aber 1745 in tatsächlich ein preussisches Heer (unter Leopold von Dessau) in Sachsen einfiel,
bei Kesselsdorf siegte und in Dresden einzog, Sachsen aber nach dem Friedensschluss im
Dezember von den Preußen wieder geräumt wurde, da erinnerte man sich der Prophezeiung
Herings und hielt sie für erfüllt und glaubte an ihren Verkünder.

Hering aber schwieg nun längere Zeit.

Erst 1756 bat er seinen Beichtvater mehrfach wieder, ihm Gehör zu schenken, wobei er mit
„Jammern und mit Thränen anzeigete, wie er sein mir bereits etliche Mal eröffnetes Anbringen
nicht weiter mehr zu verbergen wüsste, er fände sich Tag und Nacht getrieben, es dem
Allergnädigsten Landesvater anzuzeigen. Das Unglück wäre nahe, und nicht mehr weit entfernet."

Da entschloss sich Süsse, ihm ein Beglaubigungsschreiben zu geben. Mit diesem begab sich
Hering nach Dresden, fand auch bei einem Minister Gehör und kehrte erleichterten Gemütes nach
Hause.

"Der Herr (so hatte er verkündet) habe ihn sehen lassen, daß nächstens ein Großes Ungewitter
entstehen würde, durch welches unser Sächsisches Vaterland mit Krieg überzogen werde, und
solches unsere hiesige Elbgegend zuerst betreffen würde. Hierbey würde es hart zugehen. Und
dieses Ungewitter wäre sehr nahe. ... Es würde aber das Ungewitter mit seiner Heftigkeit nicht von
langer Dauer seyn, sondern es würde sich noch weiter ziehen und viel Blut vergossen werden. ...
Er hätte auch Brandstätten gesehen und wäre sogar auf selbigen herumgeführet worden. So sey
ihm auch ein Acker gezeiget worden, welcher als ein bisher unfruchtbar gelegner Acker hätte
müssen umgerissen und von neuern gepflüget und besäet werden, und dis darum, weil der Acker
theils gar unfruchtbar und verwildert gelegen, theils Gerste darauf gesäet worden. Gerste bringe
aber ein herbes Brot. ... Der Herr hätte ihm befohlen, dem Allergnädigsten Landesvater
anzuzeigen: daß um des herannahenden Ungewitters willen, möchte ernstlich im Lande Buße
gepredigt ... werden, so wolle Gott dem Hause Sachsen wohlthun."

Hering hatte das Geschehen im siebenjährigen Krieg in unserer Gegend vorhergesehen.

Am 15. Oktober 1756 mussten sich die sächsischen Truppen (14000 Mann), die auf der Ebenheit
am Fuße des Liliensteins in Stellung gegangen waren, den preußischen Truppen ergeben. Es wird
berichtet, dass „viele unsere Landsleute in den letzten Tagen keinen Bissen Brot zu sehen
bekommen hatten und deshalb wahren Jammergestalten glichen."

Als damals eine Schiffbrücke bei Schandau geschlagen wurde, wo Hering eben seinem Gewerbe
nachging, wurde er auch danach gefragt. Er antwortete: "Daß diese Brücke hier nicht viel nütze
seyn, und nicht gebraucht werden würde, aber Leipzig möchte man wohl verwahren, da habe er
fremde Völker ankommen gesehen."

Tatsächlich konnte das sächsische Heer die Schiffbrücke nicht benutzen, da es von Schandau
abgeschnitten war.

So soll Hering noch viele andere Ereignisse der damaligen Zeit vorhergesagt haben. Aber nicht
nur die großen politischen. Er wurde auch zu Kranken und anderen Leuten gerufen.

Süsse bezeugt dem Christian Hering: „es ist nun keineswegs an dem, daß er als ein Schlafender im
Traum seine Erscheinungen überkommen sollte. Noch vielweniger sei es gegründet, dass wie man
ihm auch hat aufbürden wollen, ein Männchen zu ihm käme, und ihm das offenbare, was er
anzeigen solle; sondern, ... wiederfahren ihm solche Offenbarungen als einem Wachenden, bald
durch gewisse ihm angezeigte Gestalten, Vorbildungen und Prospecte, bald durch Stimmen, wie
auch durch hernach immerwährendes Anregen in ihm, wobey er allemal eine Freudigkeit, es bald
anzuzeigen, verspüret."

Ob nun die Prophezeiungen Herings immer eingetroffen sind bleibt offen, interessant aber sind sie
allemal.

Quellen:
Süsse, „Umständliche Nachricht vom sogenannten Proßner Manne, Christian Heerings"
(bey Gerlach Witwe und Sohn, Dresden und Leipzig 1772)
Petermann, „Geschichte des Königreichs Sachsen (Verlag Julius Klinkhardt 1868)
„Über Berg und Thal", 21. Jahrgang Nr. 4 und 5 (April/Mai 1898)