Aus der Geschichte des Rittergutes Prossen




12./13. Jahrhundert. Die Besiedlung unserer Elbaue

Die Besiedlung des Gebietes des Elbsandsteingebirges begann im 12./13. Jahrhundert 1).

Es ist anzunehmen, dass die Auen und Ebenheiten entlang der schon lange vor dieser Zeit befahrenen „Wasserstrasse Elbe" zu den ersten Siedlungsstellen gehörten.

Die Besiedlung des heutigen Pross´ner Territoriums ist sehr wahrscheinlich auf das nachdrückliche Wirken des Grafen Wiprecht von Groitzsch zurückzuführen.

Er trieb die bäuerliche Besiedlung seines Herrschaftsgebiet sehr stark voran und ließ diese Herrensitze von Pegauer Mönchen betreuen.

Auch unser Gebiet gehörte zu seinem Herrschaftsbereich, denn er war verheiratet mit Judith, der Tochter des mächtigen Böhmenherzogs Wratislaw II. und ließ sich als Mitgift mit den damaligen meißnischen Gauen Nisan (Elbkessel zwischen Meißen und Pirna) und Budissin (Bautzen) belehnen.

So ist es nicht verwunderlich, dass der damalige Besitzer von Prossen ausgerechnet ein Bruder des Pegauer Abtes Thammo gewesen sein soll.

Nach dem Königsteiner Pfarrer Süsse lebte Thammo im Jahre 1282.

Quelle:

1) Emil Walter „Die Besiedlung der Sächsischen Schweiz durch die Deutschen", Volkmann-Verlag Dresden 1927

9. Mai 1412. Erste urkundliche Erwähnung


Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung unseres Ortes stammt vom 15. Mai 1412.

Es ist ein Schriftstück (eine Urkunde), in dem der Meißner Bischof Rudolph dem Hansen von Gryslow und Genossen bekennt, 120 Schock Böhmische Groschen schuldig zu sein, die er am nächsten Michaelistage oder den folgenden 14 Tagen zu zahlen verspricht.

In dieser „Urkunde" wird erwähnt, dass

„ Heinriche von Gryslow czu Prossentin gessesin".


Die Urkunde gibt es leider nicht mehr im Originalzustand, aber dank der Weitsichtigkeit des Bischofs Rudolph ist eine Abschrift vorhanden. Er, der von 1411 bis 1427 amtierte, ließ die Urkunden in ein Buch (Liber Rudolphi) schreiben, das zunächst im Stiftsarchiv zu Meißen aufbewahrt wurde und heute im Hauptstaatsarchiv in Dresden1) zu finden ist.

Auf Seite 40 des Liber Rudolphi ist unter der Nr. 842 die Abschrift „unserer" Urkunde aufgeführt.

Quelle:

1) Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. Nr. 1328, Copial Nr. 842, fol. 40

1443 bis 1614. Über 170 Jahre Herrschaft der Parzifals in Prossen


Heinrich von Gryslow, der „erste Pross´ner", der 1412 in der bekannten Urkunde erwähnt wird, hatte seine Verwandten wahrscheinlich in Dittersbach, Eschbach bzw. Stolpen.

Mehr ist von ihm nicht bekannt.

Erst 31 Jahre später, im Jahre 1443, werden wieder Pross´ner in einem Schriftstück von damals erwähnt. Es sind „Steffan Bircken" und „Hansen von Partschefal" 1).

Hans von Parzifal (Bartzfeld) gehörten "dry teil ym forwercke Krosten (Prossen) mit dem dorffe Barstorff (Porschdorf) und Windischinfehre. … Steffan Bircke hat czwey teil … " 2).

Außer Porschdorf und Wendischfähre hatte zuvor auch Rathmannsdorf zu Prossen gehört, bevor es als Stadtgut an den Rat der Stadt Schandau verkauft wurde.

Nach Hans Parzifals Tode 1462 wurden seine Söhne „Friderich, Diterich, Cristoff und Bernhart von Parczefall" Mitbesitzer von Prossen.

Nach 1546 waren Georg und Melchior, die Söhne von Friedrich, die Herren auf Prossen.

Melchior legte 1554 das Altendorfer Schöffenbuch an, das bis heute als eines der ältesten dörflichen Dokumente erhalten ist. Darin wurden Haus- und Grundstücksverkäufe u. a. Besitzregelungen (Geldanleihen, Schulden, Hypotheken, Abzahlungen usw.) eingeschrieben.

1561 trat Hans von Parzifal (wieder ein Hans) den Besitz seines Vaters Melchior auf Prossen an.

Er stellte das Prossener Erbregister auf, in dem die Frondienste und Abgaben der Untertanen an das Rittergut verzeichnet waren.
Hans von Parzifal starb 1597.

Nach seinem Tode teilten sich seine drei Söhne Friedrich, Christoph und Hans Georg den Besitz unter sich auf. Friedrich behielt das Rittergut Prossen

1614 gaben die von Parzifal den Rittersitz Prossen auf, auf dem sie mindestens 170 Jahre gesessen hatten. In den folgenden 15 Jahren waren Hans Ranisch der Ältere und danach sein Neffe Hans Ranisch der Jüngere die Herren auf dem Vorwerk Prossen.

Quellen:

1) Hauptstaatsarchiv Dresden, Kopial Nr. 42, Blatt 138 und 198

2) Der größte Teil der Geschichte der Parzifals stammt aus der „Altendorfer Chronik", verfasst von Irmtraud Hille,

1629 bis 1673. Die Bünaus in Prossen.


Eine Besonderheit in der Familie war, dass alle Söhne auf die Namen Rudolf, Heinrich oder Günther getauft wurden.

So hießen die beiden Bünaus, die Prossen besessen haben

Rudolf der Jüngere aus dem Hause Lauenstein und

Rudolf der Jüngere aus dem Hause Tetschen.

Beide waren vor 1629 Besitzer von Gütern in Böhmen gewesen. Sie mussten auf Erlass des Kaisers Ferdinand II wie viele andere Böhmen verlassen, der nur noch Katholiken in seinem Lande dulden wollte. Sie verkaufen ihre Güter und gingen nach Sachsen zurück.

Wie nun Rudolf nach Prossen kam, darüber schrieb der Königsteiner Pfarrer Süsse vor 250 Jahren seine bekannte Sage.

Rudolf zog 1632 wieder auf sein Vorwerk nach Prossen.

Das damalige Vorwerk bestand aus dem Wohnhaus, dem Brauhaus sowie den Scheunen, Vieh- und Schafställen. Es ist gegen Ende des 17. Jahrhunderts abgebrannt.

Rudolph war 22 Jahre lang Herr auf Prossen, zu dem außerdem noch Porschdorf, Wendischfähre und Altendorf gehörten.

Er hatte ein gutes Verhältnis zur Königsteiner Kirche. Der stiftete er ein rotes Messgewand, auf dem mit der Jahreszahl 1647 das Bünauische Wappen eingestickt war. Das Bünauische Wappen ist noch heute in einem Fenster der Kirche zu sehen.

1651 musste er Prossen aus finanziellen Gründen an seinen Vetter verkaufen. Er starb 2 Jahre später.

Neuer Besitzer wurde der auch schon erwähnte Rudolph von Bünau (der Jüngere aus dem Hause Tetschen). Dieser war Besitzer von Türmitz (heute Trmice bei Usti) gewesen, das er 1629 ebenfalls verlassen musste. Danach wohnte er zunächst in Krippen und besaß ab 1649 Gießenstein (bei Gottleuba). Er lebte nur drei Jahre in Prossen, starb 1654 und liegt in Königstein begraben.

Rudolph starb ohne männliche Nachfahren. Prossen wurde zum Streitobjekt der Erben der 2. Reihe. 1670 hat es Caspar Heinrich von Schönberg erworben.

1690 bis 1696. Johanna Eleonore von Lüttichau-

eine Frau voller Ideen und Taten.


Johanna Eleonore von Lüttichau war nur 6 Jahre in Prossen, hat aber in dieser kurzen Zeit enorm viel bewegt.

Sie mag etwa 25 Jahre alt gewesen sein (das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt), als sie am 8. Dezember 1690 das Gut Prossen von Caspar Heinrich von Schönberg zu Purschenstein gekauft hatte.

Sie war die Tochter des kurfürstlichen Hofmeisters Andreas Adrian von Borck und hatte nicht zuletzt deshalb wohl eine gute Verbindung zum sächsischen Hofe.

Ihr Ehemann Gottlob von Lüttichau, „Churfürstlicher Obrist-Lieutenant", war 15 Jahre älter als sie.

Sie war erst 2 Monate in Prossen und schon vollbrachte sie ihre erste bemerkenswerte Tat:

Sie erwarb die Schriftsässigkeit für das Rittergut Prossen und die zugehörigen Dörfer Prossen, Porschdorf, Altendorf, Waltersdorf und Wendischfähre.

Caspar Heinrich von Schönberg hat offenbar einen großen Anteil am Wiederaufbau des Rittergutes.

Johanna Eleonore von Lüttichau aber hat ihn 1693 vollendet und entsprechende Zeichen gesetzt.

Heute noch sind die Buchstaben GJELB als die Initialen von
Gottlob und Johanna Eleonore von Lüttichau geb. Borckin

im Balkon des Herrenhauses zu sehen.

 

 

 

Gottlob und Johanna Eleonore von Lüttichau verließen 1696 Prossen schon wieder, warum auch immer. Die 6 Jahre ihrer Herrschaft waren für das Rittergut Prossen bedeutende und fortschrittliche Jahre.

Sie verkauften das Rittergut Prossen samt Zubehör an Johann Rudolf Baron von Presing und zogen sich auf ihr Gut nach Kmehlen (Nähe Ortrand) zurück.

1718 bis 1811. 93 Jahre lang gehört das Rittergut Prossen erneut denen von Lüttichau.


22 Jahre nach dem Gottlob und Johanna Eleonore von Lüttichau Prossen verlassen hatten, gelangte das Rittergut erneut in den Besitz des Adelsgeschlechts derer von Lüttichau.

4 Generationen waren hier:

Hannibal von Lüttichau (1718 bis 1726)
sein Sohn Wolf Siegfried Curt von Lüttichau (1726 bis 1780)
dessen Sohn Christian Friedrich Curth von Lüttichau (1780 bis 1808)
dessen Frau Amalia Henriette Charlotte (1808 bis 1811)
mit ihren 3 Kindern Hans Friedrich Curt, Carola Margaretha Amalia, Wolf Adolf August.

Die Lüttichau’s selbst hielten sich aber nur selten in Prossen auf.

Ihr Hauptsitz war Ober-Ulbersdorf.

Das Pross´ner Rittergut verpachteten sie. Grundlage bildete ein Pachtvertrag.

Ein Pächter war um die Jahrhundertwende Johann Gottlob Jentsch

Das Rittergut Prossen war auch der Sitz der „Hoch Adelich Lüttauischen Gerichte". Hier wurden Entscheidungen getroffen zu Begebenheiten, die in Waltersdorf, Porschdorf, Wendischfähre oder Altendorf geschahen. In der Urkunde 1) stellt der „bestallte GerichtsDirector Joh. Christian Schmalz … dem Carl Gottlieb Hering jun. des verstorbenen Waltersdorfer Richters gleichen Namens hinterlassenen Sohn" ein Zeugnis über seine eheliche Geburt und seine Redlichkeit aus, das er brauchte, um das Schuhmacherhandwerk in Neustadt zu erlernen.

In der Zeit des siebenjährigen Krieges entstand auch die erste topographische Karte unserer Gegend.

Quelle:

1) Original der Urkunde im Heimatmuseum Neustadt/Sa.

1811 bis 1850. Carl Wilhelm von Oppel.

Bergrat und Obersteuereinnehmer


Carl Wilhelm von Oppel kannte das Rittergut Prossen, als er es 1811 erwarb. Er war seit 1799 mit Carola Margarethe Amalie von Lüttichau verheiratet, der als Erbin 1/8 des Rittergutes gehörte.

Er wurde 1767 in Freiberg als Sohn des Ober-Berg-Hauptmannes und Mitbegründers der Freiberger Bergakademie Friedrich Wilhelm von Oppel geboren. Später war er selbst Bergrat im Ober-Bergamt zu Freiberg.

Die Oppels waren ebenfalls nur selten in Prossen. Ihr Hauptsitz war Wellerswalde bei
Oschatz, wo Carl Wilhelm 1833 starb und beigesetzt ist. Der Familie von Oppel gehörte auch das Rittergut in Krebs bei Pirna.

Ab 1829 war sein Sohn Georg Wilhelm von Oppel Besitzer des Rittergutes.

Er, der auch als Friedrich Wilhelm bezeichnet wurde und um 1840 Amtshauptmann zu Borna war, verkaufte das Rittergut 1850 an Friedrich Brockhaus.

1850 bis 1859. Friedrich Brockhaus, der Verleger


Friedrich Brockhaus kam 1850 mit seiner Frau Luise nach Prossen.

Er hatte sich als Fünfzigjähriger aus dem Leipziger Geschäftsleben zurückgezogen und wollte auf dem Rittergut, das er vorher von Georg Wilhelm von Oppel gekauft hatte, seinen verdienten Lebensabend in aller Ruhe beschließen.

Zusammen mit seinem Bruder Heinrich leitete er das Unternehmen bis zum Jahre 1850.

Er war, im Gegensatz zu seinem Bruder, ein leidenschaftlicher Vertreter der rasanten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen dieser Zeit.

1859 bis 1880. Häufiger Wechsel der Besitzer

 

In der genannten Zeitspanne sind vier Besitzer im Besitzstandsbuch eingetragen1):


Okt. 1859 bis März 1863 Olga Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin geb. Freiin von Moltke.

März 1863 bis Dez. 1864 Moritz Ernst Louis Borßdorf

Dez. 1864 bis Dez. 1879 Wilhelm Carl Bernhardt Hachenberger

Dez. 1879 bis Juni 1880 Rosine Friederike verw. Hachenberger und deren 6 Kinder.

Vom Rittergut ging in dieser Zeit nichts Außergewöhnliches aus.

Im März 1869 gab es einen Brand, dem die Brauerei und die Brennerei (der Gebäudeteil, wo später das Wohnhaus von Helmut Eckert stand) zum Opfer fielen.

Quelle:

1) Besitzstandsbuch über Prossen, Vermessungsamt Pirna

1880 bis 1900. Heinrich Curt von Arnim


Nach dem Tode von Wilhelm Carl Bernhard Hachenberger waren seine Witwe Rosine Friederike und die 6 Kinder nicht mehr an Prossen interessiert. Sie ließen das Rittergut im Oktob. 1879 versteigern 1).

Das „Erb- und Allodialgut Prossen nebst Inventar und neun bäuerlichen Grundstücken zusammen" 2) ging im Juni 1880 an Heinrich Curt von Arnim zum Preise von 354 000 Mark.

Heinrich Curt von Arnim hat am Herrenhaus bauliche Veränderungen vornehmen lassen, insbesondere im Dachgeschoss.

Seine Pläne wurden allerdings nicht in allen Einzelheiten erfüllt.

Quellen:

1) Sächsische Elbzeitung, Jahrgang 1879, Heimatmuseum Bad Schandau

2) Beschluss des Königl. Amtsgericht vom 3. Juni 1880

Der letzte Besitzer- Fritz Heller.


Am 05. Oktober 1900 wird der Kaufmann Fritz Heller, wohnhaft in Dresden, Gerhart – Hauptmann – Str.3, alleiniger Eigentümer des Rittergutes Prossen.

Einwohner unseres Dorfes, welche ihn kannten bzw. bei ihm arbeiteten, schätzten ihn als wohlwollend gegenüber Kindern und Vereinen des Dorfes. Es war am Anfang seiner Zeit üblich, Kinderfeste zu feiern, wobei die Kleinen zur Erinnerung eine Tasse mit entsprechender Verzierung geschenkt bekamen. Zeitzeugen erzählen, das in 20 er Jahren bei Schulfesten Tassen mit der Aufschrift „Schulfest Prossen 19…" (mit Jahreszahl) ausgegeben wurden, auch die Schule habe viel Spenden von Fam. Heller bekommen.

Gewohnt haben die Hellers in Dresden; sie waren nur zu besonderen Anlässen in Prossen. Die wirtschaftliche Leitung des Gutes oblag zunächst dem Pächter Schubert.

Besondere Unterstützung ließ Herr Heller den Prossener Vereinen zukommen. Deshalb sah sich auch der Dramatische Verein „Edelweiss" veranlasst, ihn und seine Familie zu ehren.

Auf der Prossener Folge pflanzte man deshalb eine Linde- „Nina Heller-Linde" genannt- und setzte eine Gedenktafel dazu.

Am 01.April 1924 erfolgte auf Anweisung des Ministeriums des Innern von Sachsen die Zwangseingliederung des Rittergutes in die Gemeinde.

Damit geht dessen wirtschaftliche und politische Selbständigkeit verloren.

1933 wurde Kotte Rittergutspächter; er verließ Prossen 1939 mit sämtlichem beweglichen Inventar in die Großenhainer Gegend, die Wirtschaftsgebäude waren damit praktisch verwaist.

Fritz Heller war nach nationalsozialistischer Ideologie jüdischer Abstammung und deshalb der rassischen Verfolgung durch den NS-Staat ausgesetzt.

Aus diesem Grund wird am 28.08. 1939 die Sächsische Bauernsiedlung GmbH in Dresden Eigentümer des gesamten Grundstückes. Der Kaufvertrag wurde am 06.05.1939 vom Amtsgericht Dresden beurkundet.

Sarrasani in Prossen


Die Wirtschaftsgebäude des Prossener Rittergutes waren praktisch mit dem Wegzug des letzten Pächters Kotte im Jahr 1939 verwaist.

Der Kuhstall und der Pferdestall (heute nicht mehr vorhanden) standen leer.

Dieser Zustand war der Leitung des Zirkus Sarrasani bekannt geworden.

Bereits vor Ende des 2. Weltkrieges befasste man sich in der Zirkusleitung unter Trude Stosch-Sarrasani mit der Schaffung des Auslagerungsdepots im Rittergut Prossen (spätestens im Sommer 1944), zu dessen Leiterin Ortrud Kühne bestimmt wurde.

Heinz Schmitter, einstiger Kassierer und Fotograf im Zirkus, wollte 1946 auf erste Tournee durch die sowjetische Besatzungszone gehen und beantragte deshalb am 16. 07. 1945 beim Bürgermeisteramt in Prossen die Ausstellung von Steuerkarten für 15 Personen, darunter Alexandra Donaldson-Stuart als Dolmetscherin.

Vorerst verblieb der Zirkus in Prossen und gab einige bescheidene Vorstellungen, verbunden mit Kinderbelustigungen wie z.B. Reiten. Ein erstes Gastspiel wurde in Bad Schandau durchgeführt.

Später nannte Schmitter sein neues Unternehmen Circus Scharivari.

Im Früjahr 1946 liierte er sich mit dem Leipziger Zirkusdirektor Cliff Aeros und schlug sein Chapiteau auf dem damaligen Alaunplatz unter der Aeros-Flagge auf.

Damit war die Prossener Zeit beendet.

Während dieser Jahre waren auch noch andere Mieter im Rittergut eingezogen.

Auf Grund der kriegsbedingten Zerstörungen und der zu erwarteten weiteren Verluste in den großen Städten gegen Ende des 2. Weltkrieges versuchten viele Unternehmen ihre Produktionsstätten bzw. Teile davon in vermeintlich sichere Gebiete zu verlegen. Zwei Firmen nutzten die sich im Herrenhaus des Rittergutes Prossen bietenden Möglichkeiten zur vorübergehenden Unterbringung von Betriebsteilen.

1941 waren von den Gläser-Strumpfwerken aus Siegmar-Schönau bei Chemnitz größere Umbaumaßnahmen des Herrenhauses geplant. Das Gebäude sollte zu einem Gefolgschafts-Erholungsheim ausgebaut werden. Auf Grund der besonderen Architektur des Hauses mussten Genehmigungen eingeholt werden. Diese wurden schließlich im Mai 1942 nicht bewilligt und vom Landesdenkmalpfleger abgelehnt.

Unter anderem sollten die reichen, alten Ornamente über der Eingangstür beseitigt werden, ebenso die Pilastergliederungen, welche ursprünglich die Mitte des wohl auf der einen Seite(Richtung Schmiede) verlängerten Baues betonten.

In den Jahren 1944-1946 hatten sich Teile der Firma Siemens aus Berlin kommend im Herrenhaus eingerichtet.

Im Raum hinter der Eingangstür (Portal) befand sich der Speiseraum. Im jetzigen Raum der Wäschemangel war die Küche eingerichtet mit Durchreiche zur heutigen Küche des Heimatvereines und einer Durchgangstür zu den jetzigen Kellern.

Die gesamte erste Etage wurde zu Konstruktionsbüros umfunktioniert. In der heutigen Wohnung der Fam. E.Mörtl befand sich die Wohnung des Chefs Weber und seiner Frau, welche die Küche leitete. Das gesamte Technische Personal dieser Firma in Prossen bestand aus 33 Personen, darunter 2 Frauen.

Weitere Wohnungen, bis auf die des Herrenhausverwalters Helbig im Obergeschoß, gab es zu dieser Zeit in den restlichen Gebäudeteilen nicht.


Das Rittergut heute.


Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden von 2 Erbengemeinschaften sowie von weiteren 8 Antragstellern Rückübertragungsansprüche geltend gemacht.

Am 11.10.2000 erging vom Sächsischen Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen der Bescheid, dass der Antrag auf Rückübertragung des ehemaligen landwirtschaftlichen Unternehmens „Rittergut Prossen" abgelehnt wird. Dem Grunde nach stünde ein Anspruch auf Entschädigung in Geld zu.


Heute (Dezember 2011) bewohnen 4 Familien das Herrenhaus. Neben dem Klubraum und den leerstehenden Räumen des ehemaligen Kindergartens befindet sich das Büro des Heimatvereines Prossen e.V. im Gebäude.

Am 12.12.2011 verkaufte die Erbengemeinschat Heller die Grundstücke mit Herrenhaus und angrenzenden Gebäuden an die "Rittergut Prossen GbR".


Im ehemaligen Wirtschaftsbereich des Gutes (Privatbesitz seit 1945) wohnen 2 weitere Familien, welche privatwirtschaftlich Viehhaltung (Kühe und Schafe) betreiben. Eine besondere Bedeutung kommt dieser Arbeit insofern zu, indem u.a. die gesamten Elbwiesen vor Prossen ständig in Pflege sind und damit nicht verwildern.